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Wendepunkt bei der Post: Pakete schlagen Briefe erstmals beim Umsatz

08. März 2026

Pakete überholen Briefe als wichtigster Einnahmetreiber

Die Deutsche Post DHL steht vor einem wirtschaftlichen Richtungswechsel: Erstmals brachte das Paketgeschäft dem Konzern mehr Geld ein als das traditionelle Briefwesen. Das gab das Unternehmen bei der Vorlage der Jahreszahlen für 2025 in Troisdorf bei Bonn bekannt.

Im deutschen Markt erzielte die Post mit Briefen einen Umsatz von rund 7,1 Milliarden Euro und damit 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Paketgeschäft legte dagegen um 11,2 Prozent zu und brachte 8,2 Milliarden Euro ein. Auch mengenmäßig verschiebt sich das Verhältnis deutlich: 2025 wurden in Deutschland 10,6 Milliarden Briefe und 2 Milliarden Pakete zugestellt.

Finanzvorständin Melanie Kreis betonte, dass sich die Umsatzlinien nun gekreuzt haben. Seit 2010 hat sich das Verhältnis von Briefen zu Paketen von etwa 30 zu 1 auf heute rund 5 zu 1 reduziert. Das Management rechnet damit, dass sich dieser Trend bis zum Ende des Jahrzehnts weiterbeschleunigen könnte und eines Tages bei eins zu eins oder zwei zu eins ankommen wird.

Digitalisierung, Portoerhöhungen und Effizienzgewinne

Der Rückgang der Briefmengen ist eine Folge des veränderten Kommunikationsverhaltens: E-Mails, Messenger und digitale Dienste ersetzen klassische Briefsendungen, auch Werbeprospekte erreichen weniger Haushalte. Zugleich hat die Post ihre Preise angepasst: Seit Anfang 2025 kostet ein Standardbrief 95 Cent, zehn Cent mehr als zuvor. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, dass das heimische Geschäft, also die Beförderung von Briefen und Paketen in Deutschland, trotz der strukturellen Herausforderungen Umsatz und Ergebnis steigern konnte.

Für den Konzern insgesamt fiel der Umsatz 2025 leicht um 1,6 Prozent auf 82,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg jedoch um 3,7 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro, der Gewinn legte um 3,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zu. Maßgeblich waren Effizienzsteigerungen durch Routenoptimierung, verstärkten Einsatz von Robotik und künstlicher Intelligenz sowie gezielte Preisanpassungen.

Gefährdete Fracht, geopolitische Risiken

Schwieriger präsentierte sich das internationale Frachtgeschäft, das unter weltwirtschaftlichen Verwerfungen und geopolitischen Spannungen litt. Der Konzernchef Tobias Meyer warnte vor anhaltenden Unsicherheiten, die sich bereits in den ersten Monaten des Jahres zeigten. Die Folgen des Konflikts im Nahen Osten betreffen auch wichtige Drehkreuze: In Dubai sind Luftfrachtbewegungen eingeschränkt, sodass Transporte teilweise per Land umgeleitet und über andere Flughäfen wie in Riad abgewickelt wurden.

Dennoch betont die Konzernführung, dass die physische Briefzustellung in Deutschland weiter eine Rolle spielen wird. Meyer verwies auf rechtliche Zustellpflichten, Briefwahlunterlagen und die noch nicht flächendeckend abgeschlossene Digitalisierung in bestimmten Verwaltungsbereichen. Eine Abschaltung der staatlich garantierten Briefzustellung, wie sie in Dänemark zu beobachten ist, sieht er nicht als sinnvolles Vorbild für Deutschland.

Der Konzern bleibt nach eigener Darstellung gut aufgestellt: Trotz eines Rückgangs beim Gesamtumsatz verbesserten sich Profitabilität und Ergebniskennzahlen. Für 2026 erwartet das Management nur eine moderat positive Entwicklung des operativen Ergebnisses, wobei die weitere Entwicklung stark von geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängen wird.

Berichtet aus Troisdorf und Bonn

Der Bericht stützt eine Nachricht von: wiesbadener-kurier.de

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