Rekord bei Postbeschwerden: Zahl der Meldungen steigt um ein Viertel
Beschwerden über Post erreichen Rekordhoch
Bonn — Die Zahl der Verbraucherbeschwerden zu Postdienstleistungen ist 2025 auf einen historischen Höchstwert gestiegen. Die Bundesnetzagentur registrierte 55.395 Eingaben und damit rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Betroffen sind vor allem beschädigte Sendungen, falsche Zustellungen und lange Lieferzeiten.
In vielen Schilderungen berichten Empfänger von aufgerissenen Paketen, defektem Inhalt oder Sendungen, die beim Nachbarn oder an einer falschen Adresse landeten. Rund 90 Prozent der Beschwerden betreffen nach Angaben der Behörde den Marktführer im Inland. Experten betonen zugleich, dass die Zahl der Beschwerden im Verhältnis zur Gesamtmenge der Sendungen gering bleibt: 2025 wurden in Deutschland etwa 9,4 Milliarden Briefe und 4,5 Milliarden Pakete verschickt.
Die Deutsche Post weist auf diese Relation hin und erklärt, die Postversorgung in Deutschland funktioniere grundsätzlich sehr gut. Auf eine Million transportierter Sendungen entfielen nur etwa vier Beschwerden, so das Unternehmen. Zugleich räumt der Konzern ein, dass Fehler passieren können, und versichert, jede Meldung ernst zu nehmen.
Ursachen und Gegenargumente
Ein Postsprecher weist darauf hin, dass ein Teil der Beschwerden misszugeordnet sein könnte. So seien im vergangenen Jahr rund 800.000 sogenannte Fundbriefe registriert worden, also Briefe, die bei falscher Zustellung durch Dritte wieder in das Zustellsystem gelangt seien. In solchen Fällen hätten Empfänger möglicherweise irrtümlich den Eindruck gewonnen, die Post habe den Fehler verursacht.
Gleichzeitig verändert sich die Nachfrage: Während die Paketmengen wegen wachenden Onlinehandels zunehmen, sinken die Briefmengen durch Digitalisierung. Der Konzern befindet sich demnach in einem umfassenden Strukturwandel und investiert nach eigenen Angaben mehrere Milliarden Euro in modernere und leisere Infrastruktur.
Politische Reaktionen und Regulierung
Die Entwicklung sorgt in der Politik für Besorgnis. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion mahnt, die Tendenz ernst zu nehmen, und fordert eine aktivere Aufsicht durch die Bundesnetzagentur. Die Behörde solle stärker vor Ort prüfen, ob die gesetzlichen Pflichten für die flächendeckende Versorgung mit Briefen und Paketen eingehalten werden.
Hinzu kommt, dass sich die Erwartungen der Kunden teilweise durch eine gesetzliche Lockerung der Zustellfristen verändert haben: Anfang 2025 wurde die Pflicht für die Zustellung von Briefen angepasst, sodass ein größerer Anteil innerhalb von drei Werktagen erfolgen darf als zuvor. Längere Wartezeiten werden von manchen Konsumenten daher eher als Qualitätsmangel empfunden, obwohl sie den neuen Vorgaben entsprechen.
Methodikwechsel könnte Zuwachs erklären
Die Bundesnetzagentur meldet zudem erste Zahlen für 2026: Im ersten Quartal gingen bereits 20.316 Meldungen ein. Allerdings ist seit Jahresbeginn ein neues Beschwerdetool in Betrieb, das das Melden per Multiple-Choice deutlich vereinfacht. Die Post äußert die Befürchtung, dass dadurch die Zahl nicht relevanter Meldungen steigen und die Statistik verzerrt werden könnte.
Experten und Politiker weisen darauf hin, dass viele Betroffene ihren Ärger wahrscheinlich gar nicht melden. Die registrierten Beschwerden dürften daher nur die Spitze des Eisbergs zeigen: Zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher ertragen Unannehmlichkeiten, ohne formell Beschwerde einzureichen.
Die Branche steht vor der Herausforderung, trotz wachsender Paketmengen die Zustellqualität zu sichern und das Vertrauen der Kundinnen und Kunden zurückzugewinnen. Parallel dazu bleibt die Frage, wie viel von der steigenden Beschwerdezahl auf reale Leistungsverschlechterung und wie viel auf veränderte Meldewege zurückzuführen ist.

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