Paketgeschäft überholt Briefmarkt – Deutsche Post erzielt erstmals höhere Erlöse mit Paketen
Paketboom macht Briefgeschäft zunehmend zur Nebensache
Bonn – Die Deutsche Post hat 2025 einen Wendepunkt im Kerngeschäft vermeldet: Erstmals brachte die Paketzustellung dem Konzern mehr Umsatz als das traditionelle Briefgeschäft. Während die Erlöse aus Briefen in Deutschland auf rund 7,1 Milliarden Euro zurückgingen, legte das Paketgeschäft auf etwa 8,2 Milliarden Euro zu.
Die Zahlen, die das Management in Bonn präsentierte, spiegeln einen langfristigen Strukturwandel wider. In der Menge wurden 2025 noch 10,6 Milliarden Briefe zugestellt – deutlich weniger als noch vor Jahren – während die Paketmenge auf etwa 2 Milliarden Einheiten stieg. Finanzvorständin Melanie Kreis betonte, dass sich die Umsatzlinien nun kreuzen und dieser Trend mittelfristig anhalten oder sogar an Tempo gewinnen werde.
Digitalisierung, verändertes Konsumverhalten und weniger Werbepost
Als Treiber nennt das Unternehmen das veränderte Kommunikationsverhalten: E-Mails und Messenger ersetzen immer häufiger den Briefverkehr, und auch Werbemittel wandern in digitale Kanäle. Kreis erinnerte daran, dass 2010 noch rund 30 Briefe auf ein Paket kamen; aktuell seien es nur noch fünf Briefe auf ein Paket. Die Prognose der Konzernführung lautet, dass das Verhältnis bis zum Ende des Jahrzehnts bei eins zu eins oder zwei zu eins liegen könnte.
Dennoch rechnen die Vorstände nicht mit einem baldigen Verschwinden der Zustellung per Briefträger. Deutschland sei im EU-Vergleich weniger digitalisiert, bestimmte Behördenprozesse, Briefwahlunterlagen und Abonnements von Zeitungen sorgten weiter für Bedarf an physischer Postzustellung, hieß es.
Bilanz 2025: Profitabler trotz gesunkenem Konzernumsatz
Weltweit sank der Konzernumsatz leicht auf 82,9 Milliarden Euro, unter anderem bedingt durch Währungseffekte und die konjunkturelle Lage. Gleichzeitig verbesserte sich das operative Ergebnis (Ebit) um 3,7 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro, der Gewinn stieg um 3,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Effizienzmaßnahmen wie Robotik, KI, optimierte Routenplanung und gezielte Preisanpassungen hätten zu dieser Entwicklung beigetragen.
Das inländische Geschäft mit Briefen und Paketen zeigte sich überraschend robust: Der Umsatz in Deutschland wuchs um drei Prozent auf 17,9 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis stieg deutlich auf etwa eine Milliarde Euro. Eine Rolle spielte dabei auch die Portoerhöhung: Seit Anfang 2025 kostet ein Standardbrief 95 Cent.
Risiken im Frachtgeschäft und geopolitische Belastungen
Weniger positiv entwickelte sich das globale Frachtgeschäft, das unter Handelskonflikten und nachlassender wirtschaftlicher Dynamik litt. Der Konzernchef Tobias Meyer äußerte sich vorsichtig für 2026 und verwies auf geopolitische Risiken, die etwa den Luftverkehr über wichtige Drehkreuze beeinträchtigten. Als Beispiel nannte die Geschäftsführung Einschränkungen in Dubai, die zu Umleitungen und zusätzlichen logistischen Maßnahmen geführt hätten.
Insgesamt sieht sich die Unternehmensführung gut positioniert: Das Management will den Fokus auf profitable Bereiche und Effizienz legen, zugleich aber die flächendeckende Zustellung in Deutschland gewährleisten. Die Umstrukturierung hin zu einem stärkeren Paketfokus spiegelt die wachsende Bedeutung des E-Commerce und veränderte Kundenbedürfnisse wider.
Der Bericht mit den Jahreszahlen wurde im neuen Innovationszentrum in Troisdorf bei Bonn vorgestellt. Die Managemententscheidungen und Investitionen in Automatisierung und digitale Steuerung sollen den Konzern gegen künftige Schwankungen wappnen.

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