Rekord an Postbeschwerden: Neues Meldeformular, Hitze und Umbruch drücken auf die Statistik
Beschwerden springen stark an seit Einführung des neuen Mängelmelders
Die Zahl der Eingaben über Probleme mit Brief- und Paketdiensten hat 2025 und im ersten Halbjahr 2026 ein neues Hoch erreicht. Die Bundesnetzagentur registrierte 2025 insgesamt 55.395 Beschwerden; allein zwischen Januar und Juni 2026 gingen 35.728 Meldungen ein, ein Anstieg von rund 55 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Ein Großteil der Kritik konzentriert sich auf einen Anbieter: rund 87 Prozent der aktuellen Eingaben betreffen die Deutsche Post mit ihrer Marke DHL. Die Bundesnetzagentur führt den sprunghaften Anstieg unter anderem auf die Einführung des Mängelmelders zurück, ein seit Herbst 2025 verfügbares Online-Formular, mit dem Störungen deutlich leichter gemeldet werden können. Ein Klick statt mehrstufiger Wege hat die Hemmschwelle für Beschwerden gesenkt.
Gleichzeitig verändert sich die Sendungslandschaft: 2025 wurden in Deutschland rund 9,4 Milliarden Briefe und 4,5 Milliarden Pakete verschickt. Damit sind Sendungsmengen und logistische Anforderungen stark gewachsen. Zugleich erlaubt ein neues Postgesetz seit 2025 längere Laufzeiten für Standardbriefe, was die Wahrnehmung von Verzögerungen beeinflussen kann.
Die Deutsche Post verweist auf einen umfassenden Strukturwandel. In einer Stellungnahme heißt es, der Betrieb werde grundlegend umgebaut, was Sortiertechnik, Transporte, Fahrzeugflotte und Zustellorganisation betreffe. Zudem hätten heiße Sommertage zusätzlichen Druck erzeugt: in Berlin und Brandenburg waren an besonders heißen Julitagen nach Unternehmensangaben mehr als 8000 Zusteller gleichzeitig im Einsatz, das habe vereinzelt zu Verzögerungen geführt.
Wettbewerber wie Hermes und DPD melden dagegen stabile oder verbesserte Zustellquoten. Hermes gibt für 2025 eine Zustellquote von rund 96 Prozent an; die Beschwerdequote habe sich nach eigenen Angaben leicht verbessert. DPD sieht für Juli 2026 ebenfalls keinen signifikanten Anstieg der Zustellzeiten.
Die Analyse legt nahe, dass hinter der Rekordzahl mehrere Faktoren stehen: das neue, vereinfachte Meldeverfahren, steigende Sendungsmengen, gesetzliche Fristverlängerungen und saisonale Belastungen durch Hitze. Zusammen erzeugen diese Faktoren den Eindruck einer flächendeckenden Störung, auch wenn die Fehlerquote im Verhältnis zu den insgesamt beförderten Millionen Sendungen weiterhin gering bleibt.
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