Deutsche Post firmiert rechtlich als DHL und ordnet Stammgeschäft zur Tochterfirma
Konzern ändert rechtlichen Namen und stellt Deutsches Stammgeschäft in eine eigene Tochter
Bonn — Der Logistikkonzern mit dem gelben Erscheinungsbild hat einen weitreichenden formalen Schritt vollzogen: Die Deutsche Post AG heißt ab sofort DHL AG. Der Eintrag ins Handelsregister und der Beschluss der Hauptversammlung wurden zum 1. September umgesetzt. Künftig fungiert Deutsche Post innerhalb der Konzernstruktur als eigenständige Tochtergesellschaft, die das Geschäftssegment Post & Paket Deutschland verantwortet.
Hintergrund der Umbenennung ist die zunehmende Internationalisierung des Unternehmens. Nachdem das Unternehmen bereits vor zwei Jahrzehnten den US-Logistiker DHL übernahm, entfällt heute der Großteil des Umsatzes auf internationale Bereiche wie Express, Supply Chain, Fracht und E-Commerce. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte das inzwischen globale Geschäft nur noch etwa 20 Prozent des Umsatzes im traditionellen deutschen Stammgeschäft, das nur rund 12 Prozent des Betriebsgewinns beisteuerte.
Konzernchef Tobias Meyer hatte den Schritt damit begründet, dass die Marke DHL weltweit bekannter sei und der Konzern damit klarer nach außen auftreten könne. Die neue Struktur soll die Muttergesellschaft DHL AG vor allem strategisch und bereichsübergreifend steuern, während operative Einheiten wie die Deutsche Post AG, DHL Express und andere Divisionen eigenständiger behandelt werden.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland ändere sich nach Angaben des Unternehmens nichts am täglichen Angebot: Briefe, Pakete, Filialen, Packstationen und Briefkästen blieben erhalten. Nikola Hagleitner, zuständig für das deutsche Stammgeschäft, sagt dazu «Die Deutsche Post bleibt für die Menschen und Unternehmen in Deutschland das, was sie seit Jahrzehnten ist: ein verlässlicher Teil ihres Alltags.»
Die Umstrukturierung ist nicht nur symbolisch: Die Entflechtung kostete nach Unternehmensangaben rund 37 Millionen Euro einmalig, unter anderem für IT-Trennung und Rechtsberatung. Hinzu kommen künftig etwa drei Millionen Euro zusätzliche jährliche Kosten für die neu geführte Tochtergesellschaft.
Politisch stößt die Umbenennung auf kritische Stimmen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff sagte, er bedaure das Verschwinden einer starken deutschen Marke im internationalen Geschäft, betonte aber zugleich, dass die Verpflichtungen des Universaldienstleisters gegenüber der Bevölkerung erhalten bleiben müssten. Dazu zählen Vorschriften zur Dichte von Poststellen und zur Zustellgeschwindigkeit.
Die Bonner Konzernzentrale soll unverändert erkennbar bleiben: Auf dem Dach bleibt das Posthorn-Symbol, und an Fahnenmasten sollen künftig sowohl Farben von DHL als auch der Deutsche-Post-Optik zu sehen sein. Betriebsjahre und historische Wurzeln, die bis zur Thurn-und-Taxis-Post zurückreichen, werden damit in der Konzernstruktur neu geordnet, ohne dass das Tagesgeschäft für die Kundinnen und Kunden merklich anders wird.