Post verzichtet auf Einstieg ins Lotteriegeschäft — ÖBAG verhindert Interessenkonflikt
Post verzichtet auf Einstieg ins Glücksspielgeschäft
Wien — Die österreichische Post wird nicht Teil des Konsortiums, das sich um die Neuvergabe der Lotteriekonzession bewerben will. Hinter dem Rückzug steht ein klares Signal aus der Eigentümerebene: Ein möglicher Wettbewerb zwischen staatlich geprägten Beteiligungen sollte vermieden werden.
Die aktuelle Konzession für die Lotterien und das damit verbundene Online-Gaming läuft 2027 aus. Internationale Anbieter wie Brightstar Lottery hatten ihr Interesse signalisiert, in ein österreichisches Konsortium einzusteigen. Doch die Post, die bislang als wichtiger Vertriebspartner der Lotterien fungiert, wird nach Angaben eines Unternehmenssprechers nicht als Gesellschafterin teilnehmen. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf sein Strategieprogramm LEAD 2030, darunter der Start des Mobilfunkangebots YELLLOW, Ausbau des Paketgeschäfts, internationale Wachstumspläne und die Weiterentwicklung der Banktochter bank99.
Die Entscheidung hat eine besondere Bedeutung, weil sowohl die Post als auch der Eigentümer der Lotterien, die teilstaatliche Casinos Austria AG, zur Staatsholding ÖBAG gehören. Ein Wettbewerb zwischen zwei ÖBAG-Beteiligungen hätte in der Geschichte der Holding einen Präzedenzfall geschaffen. ÖBAG hält derzeit rund 52,8 Prozent an der Post und ein Drittel an der Casinos Austria AG. In den Verträgen der Glücksspielgruppe ist zudem sichergestellt, dass die Casag innerhalb der ÖBAG-Unternehmen das alleinige Recht auf Glücksspielgeschäfte besitzt.
Für die Casinos-Gruppe sind die Lotterien eine zentrale Ertragsquelle: 2024 erzielten die Lotterien ein Betriebsergebnis von 157 Millionen Euro, während das Gesamtergebnis des Konzerns deutlich geringer ausfiel. Ohne die Lotterien würde die wirtschaftliche Bedeutung der Casinos Austria stark schrumpfen, weshalb der Erhalt der Konzession für die Gruppe existenziell ist. Branchenkreise diskutierten intern bereits mögliche Schadenersatzforderungen durch Allwyn, den Mehrheitsgesellschafter der Casag, falls ein weiteres ÖBAG-Unternehmen in direkten Wettbewerb treten würde. ÖBAG hat entsprechende Spekulationen zurückgewiesen.
Die Post selbst steht als börsennotiertes Unternehmen vor strategischen Herausforderungen: Das klassische Briefgeschäft schrumpft, weshalb neue Geschäftsfelder wie Mobilfunk oder Finanzdienstleistungen verstärkt in den Fokus rücken. Ob die Vermeidung eines Lotterieeinstiegs allein auf staatsstrategischen Überlegungen beruht oder auch auf Rücksicht gegenüber privaten Aktionären, bleibt Teil der Debatte.
Mit dem jetzt klaren Rückzug der Post dürfte der Wettbewerb um die Lotterielizenz weiterhin international geführt werden. Beobachter erwarten mehrere Bewerber, während die Entscheidung der Staatsholding den Weg für die Casinos-Gruppe kurzfristig stabilisiert.

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