Neue Regenwassergebühr in Bremen entfacht Proteste bei Grundstückseigentümern
Eigentümer sehen sich mit zusätzlicher Last konfrontiert
Bremen. Hunderttausende Grundstücksbesitzer in Bremen erhalten derzeit Post von Hansewasser und stehen ratlos vor einer neuen Abrechnung: Künftig wird die Entsorgung von Regenwasser getrennt von Schmutzwasser berechnet, was viele Haushalte spürbar teurer kommen kann.
Die Änderungen gehen auf eine rechtliche Neuregelung zurück, nach der seitdem Flächen, von denen Regenwasser in die öffentliche Kanalisation gelangt, separat erfasst und pro Quadratmeter abgerechnet werden müssen. Hansewasser hat dafür amtliche Karten und statistische Faktoren genutzt und fordert Eigentümer nun auf, die ermittelten Flächen zu bestätigen oder zu korrigieren.
Für Kleingärtner wie Norbert Wicha aus Findorff wirkt die Aufforderung absurd. Bei ihm fließt das Dachwasser über ein Rohr direkt in ein sumpfiges Beet und versickert vor Ort. Trotzdem erhielt er einen Erhebungsbogen, weil ein Sammlerkanal durch das Parzellengebiet verläuft. Wicha empfindet die Maßnahme als bürokratische Fehlzündung: «Die Kleingärten sind doch meist gar nicht an die Kanalisation angeschlossen», sagt er.
Auch Reihenhausbesitzer wie Wolfgang Zimmermann aus Schwachhausen zeigen sich empört. Bei Starkregen steht bei ihm immer wieder Wasser im Keller, weil die Kanalisation die Wassermassen nicht schnell genug aufnimmt. Zimmermann verlangt Konsequenzen von Hansewasser: «Warum soll ich für Regenwasser zahlen, das bei mir im Keller landet, wenn die Ableitung nicht funktioniert», fragt er.
Hansewasser weist auf die technischen und rechtlichen Grenzen hin. Die Kanaldimensionierung orientiere sich an Vorgaben der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. Bei außergewöhnlichen Starkregenereignissen könne es zu Rückstau kommen. Für Schutzmaßnahmen am Gebäude wie Rückstauventile oder Hebeanlagen seien die Grundstückseigentümer verantwortlich, so Unternehmenssprecherin Rebecca Stöcker.
Finanziell bedeutet die Reform eine Mehrbelastung: Bis 2024 deckte eine pauschale Gebühr beide Leistungen ab. Inzwischen kostet allein die Schmutzwasserentsorgung 2,93 Euro pro Kubikmeter, die neue Regenwassergebühr kommt zusätzlich oben drauf. In Bremen sind es 0,83 Euro pro Quadratmeter versiegelter Fläche und Jahr. Eigentümer müssen außerdem mit Nachzahlungen für die vergangenen Jahre rechnen, weil die separate Regenwasserabrechnung bislang noch nicht erhoben wurde.
Betroffene sollten die zugesandten Flächenangaben prüfen. Hansewasser bietet ein Onlineportal zur Bestätigung oder Korrektur an, und in Einzelfällen etwa bei nicht angeschlossenen Kleingärten können Flächen als null angegeben werden. Dennoch bleibt bei vielen Bremern der Eindruck, dass die neue Regelung Verwaltungsaufwand erzeugt und die Haushalte zusätzlich belastet.
- Worum es geht: getrennte Abrechnung von Schmutz- und Regenwasser
- Wer betroffen ist: mehr als 100 000 Grundstücke in Bremen
- Was Eigentümer tun sollten: Flächenangaben prüfen und gegebenenfalls korrigieren
Die Debatte dürfte an Schärfe gewinnen, sobald die ersten Gebührenbescheide eintreffen und Betroffene die wirtschaftliche Last im Detail spüren.

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