Christian Schwarz‑Schilling gestorben — Postreformer und Balkanfriedensstifter
Ehemaliger Postminister und Balkanfriedensstifter gestorben
Büdingen — Im Alter von 95 Jahren ist Christian Schwarz‑Schilling am Ostermontag im Kreis seiner Familie gestorben. Der langjährige CDU‑Politiker prägte die Debatten um Medien‑ und Telekommunikationsreform in Deutschland und machte sich später als internationaler Vermittler im ehemaligen Jugoslawien einen Namen.
Schwarz‑Schilling, 1930 in Innsbruck geboren, war Musiker und Sinologie‑Student, ehe er in die Politik wechselte. Als Bundestagsabgeordneter setzte er sich seit den 1970er Jahren für die Liberalisierung des Rundfunks ein. Nach dem Ende der sozial‑liberalen Koalition wurde er 1982 Bundesminister für Post und Fernmeldewesen. In diesem Amt leitete er einen langwierigen Reformprozess, der unter anderem die Grundlage für spätere Privatisierungen bei Post und Telekom schuf und ihm sowohl Anerkennung als auch scharfe Kritik einbrachte.
1992 entzog sich Schwarz‑Schilling teilweise dem innerparteilichen Kurs, nachdem er die deutsche Außenpolitik gegenüber dem zerfallenden Jugoslawien als zu zurückhaltend empfand; kurz darauf verlor er sein Ministeramt. In der Folge konzentrierte er sich auf Auswärtige Angelegenheiten, Menschenrechte und humanitäre Hilfe und erwarb sich in zahlreichen Balkanreisen internationales Ansehen.
- 1995 wurde er offiziell als Vermittler für Bosnien‑Herzegowina berufen und kümmerte sich besonders um die Rückkehr von Bürgerkriegsflüchtlingen.
- Ende 2005 wurde er Hohes Repräsentant der Vereinten Nationen in Bosnien‑Herzegowina; kurz darauf übernahm er auch Aufgaben als EU‑Beauftragter für das Land.
- 2007 erhielt er den Hessischen Friedenspreis für seinen Einsatz in der Region.
Trotz seines Engagements konnten die tiefen Spannungen zwischen den Volksgruppen nicht vollständig beigelegt werden. Mitte 2007 übergab Schwarz‑Schilling sein Mandat an den slowakischen Diplomaten Miroslav Lajčák. Seine Parteifreunde würdigten ihn als Politiker mit Weitsicht, Prinzipientreue und internationaler Ausstrahlung; parteiübergreifend hob man seine Integrität und seinen Einsatz hervor.
Privat galt Schwarz‑Schilling als kulturinteressiert und musikalisch versiert, er blieb zeitlebens mit der Region rund um Büdingen verbunden. Sein Tod hinterlässt in der deutschen Politik und in den Kreisen, die ihn als Vermittler kannten, eine spürbare Lücke.

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